Münchener Dekanat erleidet Millionenverlust

Die Stadtdekanin will sich ihrer Verantwortung stellen
München (idea) – Das evangelische Dekanat München hat bei Finanzgeschäften Verluste in
Millionenhöhe erlitten. Wie Stadtdekanin Barbara Kittelberger bei einer Pressekonferenz am 29.
Januar mitteilte, sind bis zu 5,5 Millionen Euro in Gefahr. Gelder in dieser Höhe waren in
Unternehmen von Solar-, Wind- und Wasserenergie sowie Müllaufarbeitung investiert worden,
die inzwischen insolvent sind. Laut Kittelberger handelte es sich nicht um hoch spekulative
Geschäfte. Die Rendite-Erwartungen hätten aber über den üblichen Bankenzinsen gelegen. Die
genaue Höhe der Verluste lasse sich erst nach Abschluss der Insolvenzverfahren feststellen. Das
Rechnungsprüfungsamt der Landeskirche untersuche, wie es zu dem Debakel kommen konnte.
Sobald der Bericht vorliege, solle über Konsequenzen beraten werden. Ein Abteilungsleiter sei
vorläufig von seinen Aufgaben entbunden worden, sagte die Stadtdekanin. Auch sie stelle sich
ihrer Verantwortung, da sie die Aufsicht über das Haushalts- und Rechnungswesen trage. Die
Kirche müsse mit einem Vertrauensverlust und berechtigten Fragen nach der Verlässlichkeit in
Finanzangelegenheiten rechnen.
Ohne Kontrolle durch Gremien
Das Dekanat hat fast die Hälfte seiner Rücklagen in Höhe von 32 Millionen Euro in Anleihen
mittelständischer Unternehmen aus – wie es heißt – „ökologisch nachhaltigen Branchen“ gesteckt.
Damit sei die interne Vorgabe, höchstens 30 Prozent in dieser Risikoklasse anzulegen, deutlich
überschritten worden, gab die Stadtdekanin zu. Die zuständige Abteilung habe ihre
Finanzentscheidungen offenbar ohne Kontrolle durch die Gremien treffen können. Inzwischen
würden die Anlagekriterien intensiv überarbeitet. Derzeit sei geplant, die Verluste zum Beispiel
durch einen Verkauf von Grundstücken oder Immobilien des Dekanats auszugleichen. Unklar sei
noch, ob auch die Münchner Kirchengemeinden betroffen sind. Ihre Rücklagen werden zu einem
Großteil vom Dekanat verwaltet. Kittelberger gehört der Landessynode an und ist eine Sprecherin
des progressiven Arbeitskreises „Offene Kirche“.
Zweifel an der wirtschaftlichen Kompetenz
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern,
Andreas Späth
(Windsbach bei Ansbach), weckt der Vorfall Zweifel an der ökonomischen
Kompetenz theologischer Führungskräfte. Es sei eines, Unternehmen Ratschläge für
vernünftiges Handeln zu geben, und etwas anderes, selber wirtschaftlich kompetent zu arbeiten.
Besonders ärgerlich sei, dass letztlich die Gemeinden, die sich an der Spekulation nicht beteiligt
haben, die Verluste indirekt mitbezahlen. Das Debakel müsse neben personellen Konsequenzen
auch zu Änderungen in der finanziellen Zuordnung von Gemeinden zum Dekanat führen.
(idea/30.01.2014)