24.04.2015 Über 500 Teilnehmer bei Versöhnungsveranstaltung „Marsch des Lebens“

Rückblick auf bewegende Kundgebung und Marsch in München am 24. April
München, 25. April 2015. Über 500 Teilnehmer waren beim „Marsch des Lebens“ in der Münchner Innenstadt am Freitag Nachmittag erschienen. Sie gedachten 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs der über 250.000 Opfer von so genannten „Todesmärschen“. Die gewünschte Begegnung zwischen Bürgern christlichen und jüdischen Bekenntnisses fand sowohl während des Marsches als auch bei der Veranstaltung am Sebastiansplatz statt. Darüber hinaus wurde ein Zeichen gegen Antisemitismus und für friedliebende Minderheiten in Deutschland gesetzt.
Harald Eckert, Erster Vorsitzender des veranstaltenden Vereins „Marsch des Lebens Bayern e.V.“, begrüßte am Platz der Opfer des Nationalsozialismus: „Wir setzen ein klares Zeichen im Gedenken an die Opfer. Wir bitten um und leben Versöhnung und Freundschaft mit den noch lebenden Opfern und ihren Nachkommen.“ Bei dem Marsch durch die Münchner Innenstadt bis zum Sebastiansplatz bei der jüdischen Synagoge zeigten Teilnehmer Flaggen von damals betroffenen Nationalitäten, die im Konzentrationslager Dachau interniert waren.
Der Schirmherr Albrecht Fürst zu Castell-Castell verlas das Grußwort von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er bezog sich auf die sich erfreulich entwickelnde jüdische Kultur in Deutschland und Europa. Darüber hinaus „bin ich dankbar für vielerlei versöhnte Beziehungen“. Dennoch sei es unerfreulich, dass ein Fünftel aller Europäer in Umfragen sich zu antisemitischen Gedankengut bekenne. Dr. Schuster schloss sein Grußwort: „Das Beste, was wir füreinander in unseren Herzen haben können, sind Segenswünsche“, dies meine er persönlich sowie für die Gemeinde.
Teil des überkonfessionellen Referenz-Komitees des Marsches ist Dr. Dan Shaham, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, dessen Grußwort ebenfalls verlesen wurde. Darin heißt es unter anderem: „Was nach dem Kriegsende vor 70 Jahren noch unvorstellbar war, ist für uns heute Gegenwart und Realität. Eine Realität, in der jüdisches Leben wieder mitten nach Deutschland – nach München zurückgekehrt ist. Dass der Marsch des Lebens am Jakobsplatz inmitten des jüdischen Zentrums und der Synagoge endet, ist daher von besonderer Bedeutung.“
Als Nachkomme von den Holocaust Überlebenden war unter anderem Prof. Dr. jur. Moris Lehner mit seiner Frau gekommen. Er ist Sohn von Prof. Dr. Nikolaus Lehner und gab seiner inneren Bewegung Ausdruck: „Die Worte gehen einem durch und durch. […] Wir bedanken uns.“ Drei Nachfahren von der Tätergeneration schilderten ihre jeweiligen Prozesse des Entdeckens von der schlimmen Vergangenheit ihrer Großväter, wie sie dies selbst aufarbeiten würden und auch zu welchen neuen Beziehungen – auch zu Juden sowie Israel – geführt hätte. Unter anderem bekannte die 24jährige Cyra: „Ich stehe hier, um ein Statement zu setzen gegen das Schweigen. Es ist für mich ein großes Anliegen zu sagen: Ich liebe Israel.“
Zum Hintergrund der Todesmärsche und dem Gedenken im Jahr 2015
Im Januar 1945 begannen die Todesmärsche auf deutschem Boden. Die Märsche im süddeutschen Raum endeten im April 1945 rund um Dachau. Von den über 700.000 Häftlingen, die Anfang Januar 1945 registriert waren, kamen bei den Todesmärschen mindestens 250.000 Menschen ums Leben. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurden in und aus Konzentrations- und Arbeitslagern die entkräfteten Juden und andere unerwünschte Personen- und Opfergruppen systematisch verlegt oder vernichtet.
Über den Veranstalter „Marsch des Lebens Bayern e.V.“
Erster Vorsitzender des im Jahr 2014 gegründeten Vereins ist Harald Eckert, der kürzlich für sein Engagement für die christlich-jüdische und für die deutsch-israelische Freundschaft mit dem „goldenen Olivenzweig“ geehrt wurde (siehe Rundbrief der Botschaft des Staates Israel vom 09.02.2015). Zweite Vorsitzende ist Pfarrerin Brigitte Fietz aus München, die sich ebenfalls seit vielen Jahren für Versöhnung und Freundschaft zwischen Juden und Christen engagiert. Neben vielen Persönlichkeiten des öffentlichen und kirchlichen Lebens zählt auch der Israelische Generalkonsul für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, zu den Mitgliedern im Referenzkomitee des „Marsch des Lebens Bayern“.
Weitere Informationen zum Verein und dem Referenzkomitee unter www.mdl-bayern.org und facebook www.facebook.com/mdlbayern
Pressesprecherin Marsch des Lebens Bayern 2015 e.V.
Ulrike Propach
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