Die Kirche wird als raffgierig empfunden – Kirchensteuerabzug per Bank

Ulrich Rüß(idea) Eine Austrittswelle kommt auf die Kirchen zu. Auslöser ist der künftige automatisierte Einzug von Kirchensteuern auf Kapitalerträge durch die Geldinstitute. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, Pastor
Ulrich Rüß (Hamburg), ist die Kirche an der Misere nicht ganz unschuldig.
Damit war zu rechnen: Die Erhebung der Kapitalertragssteuer von den Kirchensteuerzahlern wird der Kirche Austrittsrekorde bescheren. Die Art und Weise des Eintreibens dieser Steuer mutet höchst unsensibel an; die Kirche wird als raffgierig empfunden. Wenn man schon allgemein Kirchensteuer zahlt, möchte man nicht zusätzlich auf Kapitalerträge besteuert werden. Mit der gegenwärtigen Regelung wird für viele ein letzter Anstoß gegeben, aus der Kirche auszutreten.
Die Kirche hat zurzeit sprudelnde Kirchensteuereinnahmen und profitiert von der wirtschaftlich günstigen Lage. Da vermisst man die notwendige Transparenz für eine Steuer, die als Zwangsabgabe empfunden wird. Was wird nicht alles aus Kirchensteuermitteln finanziert, was wenig mit dem Auftrag der Kirche zu tun hat!
Umdenken ist gefordert
Man mag das Steuerrecht auf seiner Seite haben, dennoch wird die Eintreibung dieser Steuer als wenig klug und nachvollziehbar empfunden. Der Kirchensteuerzahler hat einen Anspruch auf mehr Transparenz des Einzugs und der Verwendung von Kirchensteuern – erst recht, wenn er bei der Basisarbeit der Kirche auf Gemeindeebene finanzielle Einsparungen und Kürzungen erleben muss bei gleichzeitiger Aufblähung der Projektpfarrämter auf Kirchenkreisebene und wenig Einsparung auf landeskirchlicher Ebene. Der Kirchensteuerzahler will mit seinen Kirchensteuern seine Ortsgemeinde stärker berücksichtigt sehen als bisher. Mit dieser Form des Einzugs der Kapitalertragssteuer schafft die Kirche eine noch größere Distanz zum Kirchensteuerzahler. Umdenken, mehr Sensibilität und Weisheit sind gefordert.
(idea/11.08.2014)